Latenzkompensation

  • Live Versionen: 9-10
  • Betriebssystem: Alle

Definition und Funktionsweise

Manche Geräte und Plug-ins erzeugen Latenz. Sie resultiert aus der Zeit, die die Verarbeitung des Eingangssignals in Anspruch nimmt, um ein Ausgangssignal zu erzeugen. Die Latenzkompensation in Live gleicht Audio, Automation und Modulation aus, indem die betreffenden Spuren um den notwendigen Wert verschoben werden, damit alle wieder synchron zueinander laufen. Latenzkompensation ist automatisch aktiviert und muss in keiner Weise angepasst werden, sie kann aber unter Optionen deaktiviert werden, falls nötig.

Mögliche Latenzursachen in Live:

  1. Negative Spur-DelaysSobald Du ein negatives Spur-Delay auf einer Spur verwendest, werden alle anderen Spuren dementsprechend verschoben. Der Wert des negativen Spur-Delays wird zur globalen Latenz (siehe Voreinstellungen unter Audio) dazuaddiert.
  2. Externes Instrument und Externes Audio Effect: Da diese Geräte Audiosignale von Live heraus oder in Live hinein schicken, verschieben sie den Audioausgang um den Wert der globalen Latenz, die in den Voreinstellungen unter Audio angezeigt wird. Darüber hinaus entsteht noch weitere Latenz, wenn der Hardware Latency Regler des Externen Instruments oder Audio Effects einen anderen Wert als Null hat.
  3. Ableton Geräte, Drittanbieter Plug-ins oder Max for Live Geräte: All diese Geräte können Latenz verursachen, wenn sie oversampling oder convolution Algorithmen verwenden. Max for Live Geräte erzeugen auch zusätzliche Latenz, wenn deren Editor Fenster offen ist.
  4. Geräte, die den "Lookahead" Parameter haben: Dynamikprozessoren bieten oft einen Lookahead Parameter. Dieser verzögert das Sidechain Signal, um somit die Reduzierung der Lautstärke zu ermöglichen, was vor allem bei schnellen Transienten eine wichtige Rolle spielt.

Du kannst Dir die Latenz anzeigen lassen, indem Du den Mauszeiger über die Kopfzeile eines Gerätes hälst. Die Latenz wird daraufhin unter dem Gerät in der Statusleiste angezeigt. Weiter unten im Artikel findest Du erklärt, welche Ableton Geräte wieviel Latenz erzeugen.

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Welche Elemente werden nicht kompensiert?

  1. Graphikelemente
    Lautstärkeanzeigen, Videos und andere graphische Elemente werden gegenüber dem Audiosignal eventuell zeitlich etwas vorgeschoben dargestellt.
  2. Modulationen, die innerhalb eines Gerätes ablaufen und mit Live's Tempo synchronisiert werden
    Ein Beispiel hierfür ist der Auto Filter LFO (wenn er im Sync Modus läuft). Er kann eventuell leicht verschoben sein, abhängig davon, an welcher Stelle der Gerätekette das Gerät liegt. Vor allem, wenn der Auto Filter nach einigen Geräten eingefügt wird, die an sich schon eine hohe Latenz erzeugen, könnte die Modulation etwas verfrüht einsetzen. Das passiert allerdings nur dann, wenn das Gerät zu einer bestimmten Songposition synchronisiert. Geräte wie Ping Pong Delay, Filter Delay oder Simple Delay werden dagegen immer korrekt kompensiert.
  3. Return Spuren, wenn sie zu einer Audiospur zurückgeroutet werden und der Send Regler der Zielspur aufgedreht ist
    Um die korrekte Latenzkompensation für Returnspuren wiederherzustellen, die zu Audiospuren geroutet sind, musst Du nur die entsprechenden Sends deaktivieren. Das kannst Du tun, indem Du mit der rechten Maustaste auf den Send-Regler klickst und "Sends deaktivieren" auswählst. Wenn Du also zum Beispiel Returnspur A zu Audiospur 1 schickst, kannst Du die korrekte Latenzkompensation wiederherstellen, indem Du per Rechtsklick auf Send A der Audiospur 1 klickst, um "Sends deaktivieren" auszuwählen:

  

Wie Du prüfen kannst, ob ein Gerät Latenz erzeugt

Die tatsächliche Höhe der Latenz hängt von den Sample Rate Einstellungen ab, daher gehen wir in diesem Artikel davon aus, dass sie auf 44,1 kHz eingestellt ist und geben die Latenzen an in Samples und Millisekunden. Um mehr darüber zu erfahren, was Latenz ist und wie Live damit umgeht, lies Dir unseren Artikel zur Reduzierung der Latenz durch.

Die Latenz, die durch ein Gerät erzeugt wird, wird in der Statusleiste angezeigt, sobald Du die Maus über die Kopfzeile eines Gerätes in der Geräteansicht hälst. Die Latenz des Gerätes wird sowohl in Samples als auch in Millisekunden angezeigt. Wenn "Latenzkompensation" nicht aktiviert ist unter Optionen, wird die Latenz nicht angezeigt.

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Instrumente

Collision: Aufgrund des eingebauten Limiters, erzeugt das Gerät eine Latenz von 64 Samples (ca. 1,5 ms).

External Instrument: Sobald unter MIDI To etwas ausgewählt wurde, wird Latenz erzeugt. Diese Latenz ist dieselbe, die in Live's Voreinstellungen unter Globale Latenz angezeigt wird.

Dynamikprozessoren

Während Live's Dynamikprozessoren an sich keine Latenz erzeugen, tun sie es dennoch, wenn der Lookahead Parameter aktiviert ist. Da Lookahead negatives Delay verursacht auf dem Sidechain Signal, das die Reduzierung der Lautstärke erzeugt, verursachen Compressor, Gate und Limiter Latenz in Höhe des Wertes des Lookahead Parameters.

Glue Compressor: Dieses Gerät beinhält keinen Lookahead Parameter, verursacht aber 32 Samples an Latenz (0,73 ms), sobald es im Oversampling Modus läuft.

Andere Effekte

Corpus: Aufgrund des eingebauten Limiters verursacht das Instrument eine Latenz von 64 Samples (ca. 1,5 ms)

Dynamic Tube: 4 Samples (0,091 ms), nur im Hi-Quality Modus

Erosion: 221 Samples (5 ms)

EQ Eight: 16 Samples (0,36 ms), nur im Oversampling Modus

Overdrive: 5 Samples (0,113 ms)

Reverb: 8 Samples (0,18 ms)

Saturator: 4 Samples (0,091 ms), nur im Hi-Quality Modus

External Audio Effect: Die Latenz ist identisch mit der Globalen Latenz in Live's Audio Voreinstellungen