Externe Hardware verwenden (via CV)

  • Live Versionen: 8-10
  • Betriebssysteme: Alle

Was bedeutet CV?

CV ist eine Abkürzung für "Control Voltage", ein analoges Verfahren zum Steuern von Synthesizern, Drum Machines und ähnlichen Geräten. Im Rahmen dieses Leitfadens werden wir jedoch speziell auf Geräte im Eurorack-Format eingehen.

Dieser Leitfaden erfordert mindestens Grundkenntnisse bezüglich modularer Synthesizer. Wenn Du aber völlig neu bist in der Welt der modularen Synths, ist dieses Video von Benn Jordan eine wunderbare Quelle, um den Einstieg zu erleichtern.

Wir empfehlen, dass selbst fortgeschrittene Benutzer sich zuerst mit unseren CV-Tools FAQ vertraut machen. Obwohl das CV Tools-Paket keine Voraussetzung für die Verwendung von CV mit Live ist, enthält der Artikel wichtige Sicherheitsinformationen und bietet den notwendigen Kontext für den Rest dieses Artikels.

Informationen zur Integration von Synths, Drum Machines oder Hardware-Samplern in Live findest Du in diesem Artikel.

Falls Du externe Effekte verwendest, findest Du weitere Infos hier.

Schritt 1 - Anforderungen

Die meisten Audio-Interfaces können modulare Systeme in gewisser Weise mit Ableton Live verbinden, und sollte es nur zur Aufnahme der Audioausgabe dienen. Da Control Voltage jedoch nur mit DC-gekoppelten Ein- und Ausgängen kompatibel ist, fallen Audio Interfaces in der Regel in eine der folgenden drei Kategorien.

Konfiguration 1: Audio Interface mit DC-gekoppelten Ein- und Ausgängen
Diese Geräte senden und empfangen CV auf verlässliche Art und Weise.

Konfiguration 2: Audio Interface mit ausschliesslich DC-gekoppelten Ausgängen sowie AC-gekoppelten Eingängen.
Diese Geräte senden zuverlässig CV, können es aber nicht empfangen.

Konfiguration 3: Audio-Interface mit AC-gekoppelten Ein- und Ausgängen
Diese Geräte können kein CV zuverlässig senden oder empfangen.

Triggers & Gates: Eine Ausnahme von der Regel.... für diejenigen, die vorsichtig sind!

Trigger & Gates werden innerhalb eines modularen Systems verwendet, um binäre Ereignisse zu senden oder empfangen, ähnlich wie bei MIDI "Note On / Note Off" Meldungen. Da diese Ereignisse nicht auf strengen DC-Werten beruhen, können Anwender diese Signale manchmal ohne die Verwendung eines DC-gekoppelten Interfaces an die DAW senden. Achte allerdings wie bei jedem anderen modularen Signal darauf, dass diese bis zu 10 Volt erreichen können! Stelle sicher, dass Du das Signal auf Line Level (ca. 1 V max.) abschwächst, bevor Du es an Dein Audio Interface anschliesst, um Schäden an der Hardware zu vermeiden.

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Schritt 2 - Live's Audio Voreinstellungen konfigurieren

DC-gekoppelte Audio Interfaces sind im Endeffekt reguläre Audio-Schnittstellen mit verschiedenen Arten von Ein- und Ausgangsbuchsen. Genaue Anweisungen zur Einrichtung findest Du in unserem Artikel über die Einrichtung eines Audio-Interfaces.

Oft ist es jedoch wünschenswert, mehrere Schnittstellen gleichzeitig zu nutzen. Beispielsweise könnest Du ein Interface verwenden, um CV an ein modulares System zu senden und ein anderes Interface, um Audio von Live's Master-Kanal an verschiedene Studio-Monitore zu senden.

Dies kann eine Herausforderung darstellen, da Live's Audio Voreinstellungen immer nur auf ein Audiogerät gleichzeitig zugreifen. Um dies zu umgehen, kann es notwendig sein, ein Aggregate Device einzurichten, das mehrere Schnittstellen zu einem einzigen virtuellen Gerät kombiniert, auf das der Benutzer dann zugreifen kann.

Hinweis: Ein Problem dieser Methode ist, dass Live möglicherweise nicht in der Lage ist, benutzerdefinierte I/O-Namen konsistent abzurufen, die in den Einstellungen gespeichert sind.

Schritt 3a - Routing und Recording (via MIDI to CV converter)

Bei Verwendung eines externen MIDI to CV-Konverters gelten weiterhin die Anweisungen aus unserem Artikel über die Verwendung externer Hardware (via MIDI).

Ein wichtiger Punkt ist jedoch, dass Tracks, die Max for Live-Geräte enthalten, die externes Audio-Routing verwenden (wie solche, die in unserem CV Tools-Paket enthalten sind), derzeit nicht eingefroren und als Audio fixiert werden können. Um diese Einschränkung zu umgehen, verwende am besten MIDI- und Audiospuren wie hier unter Schritt 6 beschrieben, um das eingehende Signal aufzunehmen.

Schritt 3b - Routing und Recording (via DC-coupled Audio Interface)

Bei Verwendung eines DC-gekoppelten Audio Interfaces sind CV-Signale nicht von Audiosignalen zu unterscheiden. Daher gelten weiterhin die Anweisungen aus unserem Artikel über die Verwendung externer Audioeffekte. Achte jedoch besonders darauf, kein CV direkt an Deine Studiomonitore zu senden, um eine Beschädigung der Lautsprecher zu vermeiden.

Schritt 4 - Potentielle Probleme

  1.  Selbst die besten modularen Systeme neigen dazu, einen gewissen Anteil an DC-Offset in das resultierende Audio zu übertragen. Um die Auswirkungen zu mildern, hilft es, eine Instanz von Live's Utility-Gerät zu verwenden, wenn der Schalter "DC-Filter" aktiviert ist.
  2. DC-gekoppelte Schnittstellen haben in der Regel einen recht hohen Rauschabstand, weshalb sich die meisten Hersteller für eine AC-Kopplung entscheiden. Leider bedeutet dies auch, dass sie oft Schwierigkeiten haben, die Genauigkeit von präzisen Spannungen (z.B. 1V/Okt. Signale) einzuhalten. Allerdings können wiederum weniger präzise Signale (wie LFOs und Hüllkurven) oft mit sehr geringem Unterschied aufgezeichnet und wiedergegeben werden.
  3. Wie so oft in der modularen Welt kann es vorkommen, sich in einem Patch zu verlieren! Einer der Vorteile der digitalen Integration sind jedoch die erweiterten Anzeigemöglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Wenn Du Dir also jemals unsicher bist, wie etwas funktioniert, solltest Du ein Digitaloszilloskop verwenden, um verschiedene Signale auf Ihrem Weg zu überprüfen. (Dieses hier funktioniert unserer Erfahrung nach ziemlich gut).
  4. Da CV im Wesentlichen als Audiosignal innerhalb von Live arbeitet, kommen viele der gleichen Aufnahme- und Signalrouting-Techniken zum Einsatz, die in herkömmlichen Audio-Workflows verwendet werden. Allerdings sollte man immer zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen treffen, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse bei der Wiedergabe konsistent klingen.

    So kann beispielsweise ein Modulationssignal im Sampler grundlegend anders klingen, wobei die Standardeinstellung (a) die Amplitude um 12 dB reduziert, (b) einen Tiefpassfilter anwendet und (c) eine Velocity-Steuerung ermöglicht. Dies ist normalerweise für Audio wünschenswert, funktioniert aber nicht besonders gut für präzise Modulation.