Aufnahmen sind nicht synchron

Wenn Du in Ableton Live aufnimmst und das Audio nicht mit anderen Spuren übereinstimmt oder Du am Anfang der Aufnahme eine Verzögerung bemerkst, kann das an den Monitor-Einstellungen liegen. Das Timing von Audioaufnahmen hängt davon ab, welche Monitor-Einstellung ausgewählt ist.

In dieser Anleitung erfährst Du, wie Du die richtigen Einstellungen in Live auswählst, damit Audioaufnahmen synchron bleiben. Wenn Du Latenz in anderen Situationen beheben möchtest, schau Dir die Anleitung Wie Latenz funktioniert an. Eine vollständige Erklärung zum Monitoring in Live findest Du im Abschnitt Monitoring im Ableton-Referenzhandbuch.

Empfohlene Einstellungen und Best Practices
Track-Monitor-Einstellungen
Monitoring-Latenz beim Aufnehmen beibehalten (Live 12)
Delay Compensation
Reduzierte Latenz beim Monitoring
Häufige Fehler, die Du vermeiden solltest

Empfohlene Einstellungen

Die folgende Tabelle bietet einen empfohlenen Ausgangspunkt für optimale Einstellungen, um Latenz zu reduzieren. Details und spezielle Fälle findest Du in den nachfolgenden Abschnitten.

Best Practices für synchrone Aufnahmen

Wähle vor der Aufnahme sorgfältig die Monitor-Einstellung aus.

  • Höre das Eingangssignal möglichst direkt über Dein Audiointerface ab und stelle Monitor in Live auf Aus, um die geringstmögliche Latenz zu erreichen.
  • Wenn direktes Monitoring nicht möglich oder gewünscht ist, nutze Keep Latency, um die Latenzkompensation bei Bedarf umzuschalten.

Reduziere die Verarbeitung während der Aufnahme auf das Nötigste.

  • Verwende beim Aufnehmen nur Effekte ohne Latenz.
  • Erstelle ein Template-Set für Aufnahmen ohne Devices, die Latenz verursachen.
  • Füge Effekte mit Latenz erst nach der Aufnahme hinzu.

Überprüfe die Latenz Deines Audiointerfaces mit der Lektion „Driver Error Compensation“.

  1. Wenn Du über ein Audiointerface aufnimmst, öffne das Hilfe-Menü in Live und wähle Integrierte Lektionen aus.
  2. Klicke dann auf Alle integrierten Lektionen anzeigen und öffne die Lektion Driver Error Compensation in der Kategorie Hardware-Setup.
  3. Nutze Driver Error Compensation nur, wenn Dein Interface eine falsche Latenz meldet. Andernfalls lasse diesen Wert auf 0,00 und versuche nicht, damit Aufnahmen zu verschieben. Mehr dazu findest Du in den Driver Error Compensation FAQ.

Track-Monitor-Einstellungen

Du kannst im Mixer-Bereich jeder Spur zwischen drei Monitor-Einstellungen wählen: In, Auto und Aus. Damit bestimmst Du, ob das eingehende Audiosignal über die Spur abgehört wird, während sie aufnahmebereit ist. Wie Live das Timing des Audios während der Aufnahme behandelt, hängt von der gewählten Monitor-Einstellung ab.


  • In bedeutet, dass das eingehende Audiosignal immer durch die Spur ins Monitoring gelangt.
  • Auto lässt das eingehende Audiosignal nur dann durch, wenn die Spur aufnahmebereit ist.
  • Aus bedeutet, dass das eingehende Audiosignal nie durch die Spur ins Monitoring gelangt.

Wenn Du verstehst, wie diese Einstellungen funktionieren und wann Du welche nutzen solltest, kannst Du asynchrone Aufnahmen in Live vermeiden. Die folgende Tabelle beschreibt das Standardverhalten der Monitor-Einstellungen. Ab Live 12 können diese mit der Funktion Keep Monitoring Latency auch umgangen werden, siehe unten.

Monitor-Einstellung Aus Auto oder In

Aufgenommenes Audio wird für die Gesamtlatenz angepasst

  • Das Timing des aufgenommenen Audios wird nicht für Verzögerungen oder Latenz durch Plug-ins und Devices im Set angepasst.
  • Das Timing der Aufnahme entspricht dem, wie sie gespielt wurde – im Verhältnis zu anderen Spuren im Set.
  • Live verzögert den Start der Aufnahme um den Wert der gemessenen Gesamtlatenz im Set, also die gesamte durch Plug-ins und Devices verursachte Verarbeitungszeit.
  • Das Timing der Aufnahme entspricht dem, wie das Signal nach der Device-Kette in Live zu hören war – im Verhältnis zu anderen Spuren im Set.

Empfohlene Verwendung

  • Wenn Du das Eingangssignal direkt über Dein Audiointerface hören und Live umgehen möchtest
  • Beim Monitoring „durch die Luft“, z. B. wenn ein:e Sänger:in lieber den Raum hört
  • Beim Aufnehmen akustischer Instrumente wie Gitarre über Mikrofon
  • Wenn Du das Eingangssignal durch die Device-Kette in Live hören möchtest
  • Beim Aufnehmen von Audio, das mit einem Software-Synth oder Audioeffekt in Live gespielt wird
  • Bei Live-Performances mit aktivierter „Reduzierte Latenz beim Monitoring“-Funktion

Hinweis: Du solltest ggf. das Monitoring-Signal Deines Audiointerfaces stummschalten, um ein doppeltes Signal zu vermeiden.

Beispiel

Wenn eine Klangquelle „durch die Luft“ aufgenommen wird, z. B. ein akustisches Instrument oder ein:e Sänger:in, möchtest Du vielleicht das Timing des Originals aufnehmen, da das latenzkompensierte Signal im Vergleich zum Original „zu spät“ klingt. In diesem Fall empfiehlt es sich, Monitor auf Aus zu stellen oder den Keep Latency-Schalter (siehe unten) auszuschalten. Wenn Du ein Synth-Plug-in mit einem MIDI-Keyboard spielst, kann die Verarbeitung des Plug-ins eine Verzögerung zwischen Tastendruck und Klang verursachen. Um diese Latenz auszugleichen und die Noten im Timing zu halten, drückst Du die Taste vielleicht etwas vor dem Beat, damit das, was Du beim Monitoring durch Live hörst, synchron mit Deinem Set ist. Mit Monitor auf Auto oder In wird das latenzkompensierte Timing der gespielten Noten aufgenommen, nicht der Zeitpunkt des Tastendrucks.

Keep Latency (Live 12)

Ab Live 12 kannst Du mit der Einstellung Keep Latency das Verhalten von Monitor Auto und In anpassen. Bei Monitor auf In oder Auto ist Keep Monitoring Latency in Recording standardmäßig aktiviert.

Um den Status von Keep Latency zu sehen, öffne das Mixer-Ansicht-Menü mit dem kleinen Dreieck unten rechts im Live-Fenster und aktiviere Track-Optionen. Mehr zum Keep Latency-Schalter findest Du im Ableton-Referenzhandbuch.

Einstellung Keep Latency an Keep Latency aus

Verhalten

Auto- und In-Monitor-Einstellungen nutzen das Standardverhalten: Das Timing des Audios wird an die Roundtrip-Latenz angepasst. Dieses Verhalten geht davon aus, dass Du das Eingangssignal über Live abhörst und im Timing spielst, sodass das, was Du hörst, auch aufgenommen werden soll.

Auto- und In-Monitor-Einstellungen passen das aufgenommene Audio nicht für Latenz an. Das Timing des aufgenommenen Audios im Verhältnis zum Rest des Sets entspricht dem, wie es beim Aufnehmen in Live ankam, also wie es gespielt wurde.

Verwendung

Wenn Du mit elektronischen Instrumenten über Live abhörst, z. B. beim:

  • Aufnehmen von VST-Instrumenten mit einem MIDI-Keyboard

Wenn Du nicht möchtest, dass die Monitoring-Latenz in die Aufnahme übernommen wird, aber trotzdem über Live abhören musst, z. B. beim:

  • Geben von Sänger:innen das Gefühl, mit Reverb zu singen, während das trockene Signal aufgenommen wird
  • Anzeigen der Farbinformationen im Track-Lautstärkemeter für abgehörte Spuren
  • Aufnehmen von Hardware-Synths mit MIDI-Clock-Sync

Delay Compensation

Delay Compensation hält Spuren synchron, indem sie die durch Devices, Plug-ins oder Routing in einem Live-Set verursachte Latenz ausgleicht. Sie ist standardmäßig aktiviert und wird mit jedem Set gespeichert.

  • Wenn Delay Compensation aktiviert ist, misst Live die Latenz jeder Spur und verzögert die anderen bei Bedarf, damit alles im Timing bleibt. So ist das Timing immer konsistent – auch wenn eine Spur eine längere Device-Kette hat.
  • Wenn Delay Compensation deaktiviert ist, spielt jede Spur ab, sobald ihre eigene Verarbeitung abgeschlossen ist. Das kann dazu führen, dass Spuren asynchron klingen, besonders beim Bearbeiten oder Abspielen von Aufnahmen.

Für beste Ergebnisse solltest Du Delay Compensation beim Aufnehmen, Arrangieren oder Exportieren von Audio aktiviert lassen, da dies dem finalen Klangbild Deines Sets entspricht.

Bei Live-Performances kannst Du Delay Compensation deaktivieren, um die Reaktionszeit beim Auslösen von Clips oder Spielen von Instrumenten zu verkürzen. In diesen Fällen kann auch die Option Reduzierte Latenz beim Monitoring helfen.

Hinweis: Verwechsle Delay Compensation nicht mit der Driver Error Compensation, die Fehler in der von Deinem Audiointerface an Live gemeldeten Latenz korrigiert.

Reduzierte Latenz beim Monitoring

Reduzierte Latenz beim Monitoring ist eine zusätzliche Einstellung im Optionsmenü von Live, verfügbar für Sets, in denen die Delay Compensation aktiv ist. Diese Einstellung, die mit dem Set gespeichert wird, umgeht die Delay Compensation nur für abgehörte Spuren. Reduzierte Latenz beim Monitoring ist für das Spielen in einer Live-Situation mit Musiker:innen gedacht, nicht als Lösung für Latenzprobleme beim Aufnehmen. Mehr dazu findest Du unter Wie Du die Latenz beim Monitoring reduzierst.

Wenn Reduzierte Latenz beim Monitoring aktiviert ist:

  • Abgehörte Spuren umgehen die Delay Compensation und spielen ab, sobald ihre eigene Verarbeitung abgeschlossen ist.
  • Alle anderen Spuren werden so angepasst, dass sie synchron abgespielt werden.

Mit dieser Option bekommst Du eine schnellere Reaktion beim Spielen, ohne dass der Rest des Arrangements aus dem Timing gerät. Das ist praktisch, wenn Du ein einzelnes Instrument ohne Verzögerung spielen möchtest, während der Rest des Arrangements synchron bleibt. Oder zum Beispiel für eine:n Sänger:in bei einer Performance, die:der über Live auf eine PA-Anlage geschickt wird – so ist der Gesang für die Person und das Publikum möglichst synchron mit dem, was sie hören.

Hinweis: Wenn Du in Live mit aktivierter Reduzierter Latenz beim Monitoring aufnimmst:

  • Könnten Deine Aufnahmen nach der Aufnahme nicht synchron mit anderen Spuren sein.
  • Jede Latenz durch Devices im Signalweg wirkt sich weiterhin auf das Timing aus, was es schwieriger machen kann, die Aufnahme nachträglich exakt im Grid auszurichten.

Häufige Fehler, die Du vermeiden solltest

Track Delay zur Korrektur von Aufnahme-Sync-Problemen verwenden

Wenn sich die Gesamtlatenz Deines Projekts ändert, funktioniert dieser „Trick“ nicht mehr oder ist nicht mehr genau. Um Track Delay anzuzeigen oder auszublenden, nutze das Mixer-Konfigurationsmenü unten rechts in Live und aktiviere die Track-Optionen.

Folge stattdessen den oben beschriebenen Schritten, damit Deine Aufnahmen mit den richtigen Latenz-Offsets aufgenommen werden.

Um nach der Aufnahme nicht ausgerichtetes Audio zu korrigieren:

  • Richte die Aufnahmen manuell im Grid aus
  • Bearbeite Warp-Marker

Driver Error Compensation zur Korrektur von asynchronen Aufnahmen verwenden

Da die meisten Audio-Interfaces die Hardware-Latenz korrekt melden, muss in der Regel kein Treiberfehler ausgeglichen werden, was der Hauptgrund für diese Einstellung im EinstellungenAudio-Tab von Live ist. 

Die Treiberfehlerkompensation ist eine globale Einstellung, die – abgesehen von externem Hardware-Equipment – keinen Einfluss auf die relativen Timings der Spuren innerhalb eines Sets hat. Wenn Du diese Einstellung änderst, wirkt sich das auf den angezeigten Wert für die Gesamtlatenz in Einstellungen → Audio aus, die Treiberfehlerkompensation ist jedoch nicht dafür gedacht, die Latenz innerhalb eines bestimmten Sets oder von aufgenommenem Audio zu korrigieren.  

Falls Du gezielt einen Treiberfehler des Audio-Interfaces beheben musst, findest Du Anleitungen unter LiveHilfeIntegrierte LektionenAudio-I/O einrichten.

MIDI an ein externes Instrument routen, ohne das External Instrument-Device zu verwenden

Verwende nicht den MIDI-Ausgang einer Spur, um MIDI an ein externes Hardware-Gerät zu senden, und nimm das Audiosignal auf einer separaten Spur auf. Diese Routing-Methode wird nicht korrekt latenzkompensiert und führt wahrscheinlich zu Timing-Problemen.

  • Für eine korrekte Latenzkompensation verwende das External Instrument-Device. Ohne dieses ist keine zuverlässige Latenzkompensation möglich. 

In bestimmten Fällen kann ein digitales externes Hardware-Gerät zusätzliche Latenz verursachen, die über die normale Ein-/Ausgangslatenz hinausgeht. In diesem Fall kannst Du die Einstellung „Hardware-Latenz“ im External Instrument-Device anpassen. Beachte jedoch, dass External Instrument die Latenz in Live automatisch kompensiert und in den meisten Fällen keine manuelle Anpassung nötig ist.

 

Ableton bietet diese ausführlichen Hilfe- und Lernresourcen an:

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